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Nierensteine (Nephrolithiasis, Urolithiasis)

Harnsteine können zu schmerzhaften Nierenkoliken führen. Alles über weitere Symptome, Ursachen, Vorbeugung und Therapie

Wasserglas

Wichtig: Immer ausreichend trinken. Das senkt das Risiko für Nierensteine

Was versteht man unter Nierensteinen?

Oft sind sie nur so groß wie ein Reiskorn, einige wachsen jedoch auf einen Durchmesser von mehreren Zentimetern an und manche füllen das gesamte Nierenhohlsystem aus. Nierensteine werden oft gar nicht oder nur zufällig entdeckt, weil sie keine Probleme bereiten.

Schmerzhafte Nierenkolik: Steine, die aus der Niere in den Harnleiter gespült werden und den Harnleiter einengen, verursachen meistens sehr starke Flankenschmerzen. Eine solche Nierenkolik geht oft mit Übelkeit und Erbrechen einher.



UNSER EXPERTE: Privatdozent Dr. med. Rudolf Pfab, Facharzt für Urologie

Wachsende Kristalle: Die Nierensteine selbst entwickeln sich aus Bestandteilen des Urins, die normalerweise im Harn gelöst sind. Wenn sich diese Substanzen ablagern, können sie in verschiedenen Formen auskristallisieren. Die meisten Nierensteine bestehen aus Kalziumsalzen.

Mehr Männer betroffen: Statistisch gesehen muss jeder 25. Deutsche damit rechnen, mindestens einmal im Leben an Nieren- oder Harnleitersteinen zu leiden. Insgesamt sind mehr Männer betroffen als Frauen. Am häufigsten erkranken Erwachsene im Alter zwischen 20 und 50 Jahren. Bei etwa einem Viertel der Patienten bilden sich immer wieder Harnsteine. Für diese Hochrisikogruppe ist eine genaue Stoffwechseluntersuchung besonders sinnvoll. Denn ein maßgeschneidertes Vorbeugungskonzept mit individuellen Trink- und Ernährungsempfehlungen, eventuell ergänzt durch Medikamente kann helfen, die Bildung weiterer Steine zu verhindern und die Nierenfunktion zu schützen (siehe Kapitel Vorbeugung).

Mehrere Ursachen kommen in Frage – angefangen von falschen Ernährungs- und Trinkgewohnheiten über Harnwegsinfektionen bis zu Stoffwechselkrankheiten. Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft lässt sich eine Harnsteinbildung noch nicht verhindern, aber die Wahrscheinlichkeit mindern, dass sich ein weiterer Nierenstein bildet.

Behandlung: Nierensteine, die Schmerzen, Harninfektionen oder Harnabflussstörungen verursachen, müssen entfernt werden, weil sonst die Gefahr besteht, dass die Nieren geschädigt werden. Welche Behandlungsmethode in Frage kommt, hängt vor allem davon ab, aus welcher Substanz der Stein besteht, ob er noch in der Niere oder schon im Harnleiter liegt und wie groß er ist. Nach Entfernung des Steins wird die chemische Zusammensetzung analysiert. Diese Information und das Ergebnis von Blut- und Urinuntersuchungen ermöglichen dann eine individuelle Therapie, um einer erneuten Steinbildung vorzubeugen.

Mediziner bezeichnen den Nierenstein auch als Nephrolith (griechisch: nephrós = Niere, lithos = Stein) und die Nierenstein-Krankheit als Nephrolithiasis bzw. als Urolithiasis (griechisch: ùron = Harn). Andere Worte für das feste Gebilde sind Blasenstein, Ureterstein und Nierenkonkrement.



Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Experten-Sprechstunde mit Professor Rassweiler und Dr. Hruza

Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jens Rassweiler, Facharzt für Urologie und spezielle operative Urologie, medikamentöse Tumortherapie, Andrologie


Dr. med. Marcel Hruza


Klicken Sie auf die Balken, um Antworten auf die gestellten Fragen zu erhalten!


Hängen Nierensteine auch vom Lebensstil ab?

Nierensteine sind in der Tat zu einer Volkskrankheit geworden: In Deutschland, so wird geschätzt, sind 2,5 Millionen Menschen davon betroffen. Pro Jahr kommt es in mindestens 250.000 Fällen zu akuten Harnstein-Episoden. Harnsteinleiden sind allerdings, wie historische Quellen zeigen, ein seit Jahrtausenden bekanntes Problem.

Die Ursachen der Harnsteinbildung (Urolithiasis) sind vielschichtig. Folgende Faktoren spielen eine Rolle:

  • Geschlecht: Männer haben öfter Harnsteine als Frauen.
  • Geographische und medizinethnologische ("volksgesundheitliche") Faktoren: In Europa sind beispielsweise Bewohner der Mittelmeer-Anrainerländer vermehrt von Urolithiasis betroffen.
  • Ernährung: Hoher Fleischkonsum kann zu Harnsäuresteinen führen, erhöhte Kalziumaufnahme, zum Beispiel durch Milchprodukte, kann Kalziumsteine begünstigen. Oxalsäureaufnahme, zum Beispiel bei gesteigertem Verzehr von Spinat, Rhabarber, Schokolade, fördert Oxalatsteine. Genauer: Eine erhöhte Zufuhr dieser Stoffe über die Nahrung führt allein meist noch nicht zur Steinbildung. Bei den meisten Patienten liegt auch eine erbliche Neigung für ein Steinleiden vor, wobei die Ernährung dann das Risiko zusätzlich erhöhen kann. Übrigens: Auch längeres Fasten fördert die Bildung von Harnsäuresteinen, und zwar durch den verstärkten Zellabbau im Körper. Empfehlenswert ist deshalb eine ausgewogene Ernährung!
  • Trinkmenge: Zu wenig Flüssigkeit im Körper führt zu einer höheren Konzentration der "Steinbildner" im Urin, so dass sie sich nicht mehr lösen können. Die Stoffe fallen aus und bilden Kristalle, aus denen Steine werden.
  • Erbliche Stoffwechselerkrankungen, bei denen der Ab- und Umbau verschiedener Substanzen im Körper gestört ist.
  • Stark eingeschränkte Beweglichkeit oder gar Bettlägerigkeit: Dabei kommt es zu einem Knochenabbau; infolgedessen steigt der Kalziumgehalt im Blut, was wiederum die Bildung von Steinen in den Harnwegen begünstigt.
  • Erkrankungen des hormonbildenden Systems können zum Beispiel über eine Erhöhung des natürlichen, körpereigenen "Kortisons" (Kortisole und Kortison) oder von Hormonen aus der Schilddrüse bzw. den Nebenschilddrüsen im Blut zur Steinbildung führen.
  • Häufige Harnwegsinfekte und Harnabfluss-Störungen tragen zur Steinentstehung bei.
  • Angeborene Nierenerkrankungen – zum Beispiel die sogenannte renale tubuläre Azidose, eine nierenbedingte Stoffwechselstörung – sind seltenere Ursachen der Harnsteinbildung.

Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jens Rassweiler, Dr. med. Marcel Hruza


Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


Was muss vor Behandlung eines Nierensteines untersucht werden?

Um die richtige Behandlungsform zu finden, ist es wichtig, die Lage des Steines im Harnwegssystem sowie seine Größe zu kennen. Klassische Ultraschall- und Röntgenuntersuchungen (ein sogenanntes Infusionspyelogramm = IVP oder Urogramm) können dabei von Nutzen sein. In vielen Kliniken ist eine Computertomografie (CT) von Bauchraum und Becken inzwischen der Standard bei der Steinerkennung: Über das CT ist jeder Bereich der Harnwege problemlos einsehbar. Es liefert deshalb die zuverlässigsten Daten über Lage und Größe des Steines.


Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jens Rassweiler, Dr. med. Marcel Hruza


Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


Wie kommt es zu einer Nierenkolik?

Nierenkoliken entstehen durch Rückstau des Harns in die Niere, also meist nicht primär durch die Wanderung des Steines selbst; ab und zu kann aber auch der Stein kolikartige Schmerzen im Unterbauch verursachen. Das Risiko einer Kolik bringt prinzipiell jeder Stein im Nierenbecken oder im Harnleiter mit sich: Steine bis zu einer Größe von vier bis fünf Millimetern Durchmesser sind zwar eigentlich "spontan abgangsfähig", auch sie können aber auf ihrer Wanderung durch den Harnleiter zur Blase Koliken auslösen. Die Kolikschmerzen lassen sich durch Medikamente lindern. Außerdem gibt es die Möglichkeit, den Harnleiter medikamentös kurzfristig zu erweitern, um den Stein "ins Rollen zu bringen".

Bei größeren Steinen oder solchen, die längere Zeit ihre Lage im Harnleiter nicht verändern (Kontrolle durch ein Röntgenbild oder eine Computertomografie), muss man davon ausgehen, dass sie nicht spontan abgehen. Hier stehen verschiedene Methoden zur Entfernung zur Verfügung: Chemolitholyse (medikamentöse Auflösung), ESWL (extrakorporale Stoßwellen-Lithotripsie), URS (Ureterorenoskopie: Spiegelung von Harnleiter und Nierenbecken, das Instrument wird durch die Harnröhre und Blase eingeführt) oder PCNL (percutane Nephrolitholapaxie = direktes Einführen des Instrumentes durch die Flanke in das Nierenbecken). Alle instrumentellen Eingriffe werden unter Sedierung, das heißt mit Gabe von Schmerz- und Beruhigungsmitteln über die Blutbahn, oder in Vollnarkose durchgeführt. Mehr dazu weiter unten in der Frage: Moderne Wege der Steinentfernung.

 

Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jens Rassweiler, Dr. med. Marcel Hruza


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Lässt sich ein kleiner, beschwerdeloser Nierenstein auflösen?

In diesem Fall handelt es sich um eine asymptomatische Urolithiasis, die (noch) keine klinischen Anzeichen bzw. Beschwerden nach sich zieht. Ein nicht operativer Auflösungsversuch ist hier gerechtfertigt. Harnsäuresteine bilden sich in saurem Urin (pH-Wert kleiner als 6). Die Medikamente, welche den Urin alkalisieren, also weniger sauer machen, enthalten Salze der Zitronensäure (Citrat) und können über lange Zeit eingenommen werden. So bewirken sie schließlich die Auflösung eines vorhandenen Steines und beugen der Entstehung neuer Harnsäuresteine vor. Mit einfachen Teststreifen, die man in den Urin hält und die sich entsprechend verfärben, kann man den Urin-pH-Wert selbst überwachen: Er sollte bei Harnsäuresteinträgern zwischen 6,4 und 6,8 liegen.

Zusätzlich wird in der medikamentösen Steintherapie und -vorbeugung auch der Arzneistoff Allopurinol eingesetzt, der die Konzentration der Harnsäure im Urin senkt.
Es ist bekannt, dass die Auflösung von Steinen mit Medikamenten lange dauert. Deshalb eignet sich dieses Verfahren bei Patienten mit akuten Stein-Beschwerden nicht als Therapie.

Der pH-Wert des Urins hängt von verschiedenen Faktoren ab, vor allem von der Ernährung, der gewohnheitsmäßigen Trinkmenge und erblichen Faktoren. Menschen, die zu saurem Urin neigen, können durch hohe Trinkmengen und eine alkalisierende Kost, zum Beispiel mit viel Kartoffeln, Gemüse und Früchten, dazu beitragen, den Säuregrad ihres Urins zu verringern.

 

Prof. Dr. med. Jens J. Rassweiler, Dr. med. Marcel Hruza


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Werden Nierensteine noch mit Stoßwellen von außen behandelt?

Die Stoßwellentherapie (ESWL) ist nach wie vor ein Verfahren, das in der Behandlung von Harnsteinen einen hohen Stellenwert genießt. Das zeigt unter anderem die Tatsache, dass die großen Hersteller immer wieder neue Generationen von Lithotriptoren (Stoßwellen-Therapie-Geräten) auf den Markt bringen, mit denen Harnsteinleiden weltweit sehr erfolgreich therapiert werden. Die Konkurrenz durch andere Techniken ist zwar in den letzten Jahren vor allem durch die Einführung und Verbesserung von Instrumenten zur Spiegelung der Harnleiter, zum Beispiel flexible Ureteroskope, härter geworden. Trotzdem stellt die ESWL weiterhin ein wichtiges Verfahren im Methodenspektrum der Harnsteintherapie dar.

 

Prof. Dr. med. Jens J. Rassweiler, Dr. med. Marcel Hruza


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Was sind heute moderne Wege, um Nierensteine zu entfernen?

Die beiden wichtigsten Verfahren sind die Stoßwellentherapie (ESWL = extrakorporale Stoßwellenlithotripsie) und die Harnleiterspiegelung (URS = Ureterorenoskopie) mit starren oder flexiblen Instrumenten, die durch Harnröhre und Blase eingeführt werden können.

Vorteile der ESWL sind die geringe Gefahr der Verletzung von Nieren und Harnwegen sowie die gute Erreichbarkeit von Nierensteinen in jeder Lage. Nachteilig ist, dass die Steintrümmer nach ESWL von selbst abgehen müssen, dass manchmal nach einer Therapiesitzung nicht alle Steintrümmer klein genug sind, um abgehen zu können, und dass Steine im mittleren und unteren Harnleiter manchmal schlecht zu erreichen sind.

Ein Vorteil der URS ist, dass die Steine unter Sicht entfernt werden. Außerdem kann das Verfahren auch bei Steinen im mittleren und unteren Harnleiter angewandt werden. Die Patienten sind sofort nach der Therapie steinfrei. Nachteilig sind das erhöhte Verletzungsrisiko beim Eingriff, die schlechte Erreichbarkeit von Steinen in bestimmten Bereichen des Nierenbeckens und die Tatsache, dass oftmals eine URS in der Akutsituation nicht möglich ist. Dann muss für zehn bis 14 Tage ein Harnleiterkatheter (sogenannte Doppel-J-Schiene) mittels Blasenspiegelung eingesetzt werden, der Koliken verhindert und den Harnleiter für eine URS weitet.

Die URS kann heute mit einer Lasertherapie verbunden werden: Über einen flexiblen Lichtleiter können Steine unter Sicht im Harnleiter oder Nierenbecken „zerschossen“ werden, wenn sie für eine direkte Bergung zu groß sind.

Bei sehr großen Nierenbeckensteinen stellt die Punktion des Nierenbeckens durch die Flanke unter Ultraschallkontrolle mit nachfolgender Einbringung eines Renoskopes (Gerät zur Spiegelung des Nierenbeckens) eine Behandlungsmöglichkeit dar. Über das Renoskop können Geräte ins Nierenbecken eingeschleust werden, mit denen der Stein unter Sicht zerkleinert wird: Die Bruchstücke werden abgesaugt. Dieses Verfahren heißt PCNL (perkutane Nephrolitholapaxie).

Eine laparoskopische Steinentfernung mittels Bauchspiegelung wird heute meist nur bei sehr komplizierten Steinleiden durchgeführt, etwa wenn der Stein in der Wand des Harnleiters festsitzt und weder durch URS noch durch ESWL zu entfernen ist.

Die offen-chirurgische Steintherapie wird heute kaum noch durchgeführt, da mit den minimal invasiven Verfahren so gut wie alle Steine therapiert werden können.


Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jens Rassweiler, Dr. med. Marcel Hruza


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Sind Blasensteine seltener als Nierensteine?

Blasensteine entstehen bei Männern in den meisten Fällen durch Harnabfluss-Störungen, die in der Regel durch gutartige Prostatavergrößerungen oder Harnröhrenverengungen hervorgerufen werden. Die Steine bilden sich im Restharn, der bei unvollständiger Entleerung in der Blase verbleibt. Manchmal handelt es sich auch um Nierensteine, die bis in die Blase gewandert sind, aber durch die Harnabfluss-Störung nicht über die Harnröhre abgehen können und in der Blase weiter an Größe zunehmen. Blasensteine können sehr groß werden; zuweilen erreichen sie die Ausmaße eines Hühnereis.
Blasensteine sind heutzutage seltener als Nierensteine, da Harnabfluss-Störungen meist frühzeitig behandelt werden und es so gar nicht erst zur Steinbildung kommen kann.

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www.apotheken-umschau.de; 13.09.2005, aktualisiert am 02.05.2012
Bildnachweis: W&B/Privat, W&B/Privat, PhotoDisc/ RYF

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